Vor langer, langer Zeit lebten im Taunus, in der Nähe des kleinen Dorfes Engenhahn ein Berggeist und seine Frau. Der Berggeist war ein Riese und hieß Wode, seine Frau hieß Holle. Sie wohnten ganz oben auf der Hohen Kanzel, das ist der Taunusberg oberhalb Engenhahns.
Nun war es so, dass vollreife Heidelbeeren für den Riesen eine große Leckerei waren, und er hatte das Glück, dass gerade diese Beeren an vielen Hängen des Taunus wuchsen. Wenn sie reif waren, sammelte Holle große Mengen und kochte ihrem Mann einen ganzen Schrank voller blauer Heidelbeermarmelade. Wenn seine Frau die Marmelade kochte, konnte der Riese seinem Gelüste nicht widerstehen, und er versuchte bei jeder Gelegenheit von der frischen Marmelade zu naschen. Da die Holle dies aber gar nicht leiden konnte, und fürchterlich schimpfte, wenn sie ihn dabei ertappte, tat er's heimlich.
Lange Zeit ging das gut. Aber wie es mit allen Dingen so geht, einmal ging es schief; als der Riese an einem Tag von der Marmelade naschte, kam seine Frau in die Küche. Weil er seine Tat verheimlichen wollte, schluckte der Riese die heiße Marmelade mitsamt dem Löffel herunter. Dabei verbrannte er aber fürchterlich seine Zunge und den Gaumen. Wegen dieser Schmerzen wurde der Wode so schrecklich böse auf seine Frau, die ihn nicht einmal von der neuen Marmelade kosten ließ, dass er in blinden Zorn den Hausrat den Berg herunterschmiss. Unter tosendem Donner rollte das Ganze weit hinunter und brachte auch noch viele große Steine ins Rollen.
Das alles ist nun schon längst verschwunden, nur eine Schublade versteinerte mit der Zeit und diese gibt es bis auf heute noch. Dieses Stück Stein liegt an der Südseite des Berges und heißt schon seit langer Zeit "Brunhildestein". Wie es zu diesem Namen kam, ist wieder eine andere Geschichte.
Diese Geschichte stammt aus dem Buch "Göttin Holle" von GARDENSTONE und wurde mit freundlicher Genehmigung des Verlages abgedruckt.