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Niedernhausen - aus WIKIPEDIA
Niedernhausen
 
Allgemeine Informationen,
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Niedernhausen
 
Niedernhausen im Taunus ist eine Gemeinde im deutschen Bundesland Hessen mit fast 15.000 Einwohnern. Sie liegt im Naturpark Rhein-Taunus, im westlichen Teil des Rhein-Main-Gebietes nördlich von Wiesbaden. Die Ortsteile Niedernhausen (der alleine über die Hälfte der Gesamteinwohner beherbergt) und Königshofen erstrecken sich an den Hängen eines Tals. Der Ortskern befindet sich in der Talsohle. Die Gemeinde ist umgeben von Mischwald (60 % der Gemarkungsfläche).
 
Lage und Topographie 
 
Niedernhausen liegt an der Südflanke des Mittelgebirges Taunus, eines Faltengebirges, das sich vom Niederwald bei Rüdesheim am Rhein in nordöstlicher Richtung bis in die Wetterau bei Bad Nauheim erstreckt. Dieser Gebirgszug gliedert sich durch zwei Einschnitte, nämlich die Idsteiner Senke und die Saalburg-Senke, in drei Teile: den Rheingau-Taunus, den Hochtaunus und den Wetterau-Taunus. Die Ausläufer der Idsteiner Senke erreichen in Form des Autals auch Niedernhausen, so dass sich die Gemeinde direkt an der von West nach Ost verlaufenden Trennlinie zwischen Rheingau-Taunus und Hochtaunus befindet.
 
Der Taunus-Kamm, der gleichzeitig die Wasserscheide zwischen den Flussgebieten von Rhein und Main im Süden und der Lahn im Norden bildet, durchzieht die Gemarkung von Südwesten nach Nordosten. Teil dieses Kamms und gleichzeitig Teil des Rheingau-Taunus sind die Hohe Kanzel, mit 592 m ü. NN die höchste Erhebung der Gemeinde, und der Lenzenberg (492 m ü. NN). Südlich dieses Höhenzugs erstreckt sich das Naherholungs- und Naturschutzgebiet Theißtal nach Nordosten bis in den Ortskern von Niedernhausen hinein, nördlich davon das Engenhahner Tal, in dem auch die Landstraße vom höher gelegenen Engenhahn zum in den Ausläufern der Idsteiner Senke liegenden Niederseelbach verläuft. Westlich von Niederseelbach erstreckt sich der Niedernhausener Talkessel. In der Talsohle liegt der Ortskern (tiefster Punkt beim Niedernhausener Rathaus mit 254 m ü. NN), an den südlichen Hängen Königshofen und an den nördlichen Hängen die Neubaugebiete von Niedernhausen sowie der Ortsteil Oberjosbach. Der Gebirgsstock, der sich nördlich von Niedernhausen, Oberjosbach und dem weiter westlich gelegenen Oberseelbach erhebt, ist schon Teil des Hochtaunus und wurde früher Eichelberger Mark genannt. Er gipfelt im Buchwaldskopf (492 m ü. NN) und im Großen Lindenkopf (499 m ü. NN). Höchste Erhebung im Gebirgszug südlich des Theißtals ist der Hahnberg (447 m ü. NN)
Durch das Gemeindegebiet fließen vier größere Bäche. Der größte ist der Daisbach, der von Engenhahn kommend durch das Engenhahner Tal nach Niederseelbach und weiter durch das Autal durch Niedernhausen fließt. Er verlässt im Südwesten das Gemeindegebiet in Richtung Niederjosbach und Eppstein, von wo ab er Schwarzbach heißt und bei Okriftel in den Main mündet. Der Theißbach entspringt im Theißtal und mündet am Niedernhausener Rathaus in den Daisbach. Der Seelbach entspringt bei Lenzhahn, fließt durch Oberseelbach und mündet bei Niederseelbach in den Daisbach. Der Josbach entspringt bei Oberjosbach und mündet in Niederjosbach ebenfalls in den Daisbach.
 
Durch das Gemeindegebiet verlaufen in west-östlicher Richtung durch das Autal die Eisenbahngleise der Main-Lahn-Bahn von Frankfurt am Main nach Limburg an der Lahn. Südlich und parallel hierzu laufen die Bundesautobahn 3 und die ICE-Schnellfahrstrecke Köln-Rhein/Main, die beide mit jeweils einer imposanten Brücke das Theißtal überqueren.
 
 
Berge in der Gemarkung Niedernhausen
Erhebung Höhe Gebirgszug
Hohe Kanzel 592 m ü NN Rheingau-Taunus
Großer Lindenkopf 499 m ü NN Hochtaunus
Buchwaldskopf 492 m ü NN Hochtaunus
Lenzenberg 462 m ü NN Rheingau-Taunus
Hahnberg 447 m ü NN Rheingau-Taunus
Hellenberg 436 m ü NN Rheingau-Taunus
Eselskopf 391 m ü NN Hochtaunus
  
Geologie
  
Der Gebirgskamm, zu dem auch die Hohe Kanzel gehört, besteht aus hartem, verwitterungsbeständigem, jedoch auch rissigem und wasserdurchlässigem Quarzitgestein. Seine Schichten sind steil aufgerichtet und oft senkrecht. Dieser gelblichweiße, zuweilen kirschrot geflammte Taunusquarzit entstand aus sandigen Meeresablagerungen. Durch den Druck des Gebirges und die damit verbundene Wärmeentwicklung verwandelte sich das ursprünglich sedimentäre Gestein in metamorphe Quarzite.
  
In der Gemarkung von Niedernhausen finden sich an einigen Stellen sehenswerte Felspartien dieser Quarzite. Dazu gehören ein Block auf dem Gipfel der Hohen Kanzel sowie der 479 m hohe Hohle Stein zwischen Niedernhausen und Lenzhahn. Letzterer wurde 1929 unter Naturschutz gestellt. In der Nähe der Autobahnauffahrt von Niedernhausen liegt der so genannte Graue Stein, in dessen Nähe sich auch ein ehemaliges Quarzitwerk befindet.
  
Gliederung und angrenzende Gemeinden
  
Die Gemeinde besteht aus den sechs ehemals selbständigen Ortsteilen Engenhahn, Königshofen, Niedernhausen, Niederseelbach, Oberjosbach und Oberseelbach. In Niedernhausen wohnen dabei über die Hälfte der Einwohner; hier gibt es auch die großen Baugebiete Lenzhahner Weg und Schäfersberg.

  
Ortsteil
Einwohnerzahl
Niedernhausen
7.700
Oberjosbach
2.150
Königshofen
1.900
Engenhahn
1.350
Niederseelbach
1.200
Oberseelbach
450
 
Angrenzende Städte sind im Westen Taunusstein, im Westen und Norden Idstein (beide im Rheingau-Taunus-Kreis), im Osten Eppstein (Main-Taunus-Kreis) und im Süden die kreisfreie Landeshauptstadt Wiesbaden.
 
Erste Spuren im Mittelalter und urkundliche Ersterwähnungen (1196-1283)
  
Die beiden Ursprungsorte im heutigen Gemeindegebiet von Niedernhausen sind die Pfarrei Oberjosbach und das Kirchspiel Niederseelbach.
  
Erstere wurde 1196 erstmals urkundlich genannt, als Oberjosbach mit Gottes Gnade an Bevölkerung und Besitztum zugenommen und deswegen die vollständige Freiheit einer Mutterkirche durch den Erzbischof von Mainz erhielt. Die Pfarrei St. Michael hatte zwar im Mittelalter keinen Bestand, die Kirche entwickelte sich jedoch zu einem kirchlichen Zentralort. Die Siedlung Oberjosbach könnte dagegen schon seit dem 10. Jahrhundert bestanden haben und wäre somit die älteste in der heutigen Gemarkung.
  
Die alte Johanneskirche im Wiesengrund bei Niederseelbach war dagegen Mittelpunkt des so genannten Seelbacher Grundes, der die Orte Oberseelbach, Engenhahn, Lenzhahn, Königshofen und Niedernhausen umfasste. Darüber hinaus war der Niederseelbacher Pfarrer für die Filiale in Dasbach zuständig. Gehörte der Seelbacher Grund seit 1196 auch zur Pfarrei Oberjosbach, trennten sich die Wege, als die Nassauer um 1220 die eigenständige Pfarrei Niederseelbach aus der Taufe hoben. Die Ursprünge der Kirche reichen möglicherweise bis in karolingische Zeit um 800 zurück, als hier eine Feldkirche stand.
  
Engenhahns Gründung geht auf die Gründung des Klosters Bleidenstadt im Jahre 775 zurück, in dessen Umkreis so genannte Meierhöfe errichtet wurden. Ein Mönch mit Namen "Enicho" gründete einen solchen und war damit Namensgeber von Engenhahn: "Enicho im Hag" bzw. "Unechenhagin". Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Ort 1221. Oberseelbach taucht neben Lenzhahn als "Medietas Ville superioris Selebach" erstmals in einem Schlossborner Zehntregister auf. Dieses konnte auf den Zeitraum zwischen 1226 und 1233 datiert werden. Königshofen und Niedernhausen wurden erstmals um 1220 in einem Verzeichnis des Mainzer Stephanstiftes als "Villa in Kunigishoue" bzw. "Niederinhusin" erwähnt.
  
Grenzstreitigkeiten zwischen Nassau-Idstein und Eppstein (1283–1806)
  
Die Gemarkung von Niedernhausen war seit dem frühen Mittelalter von Grenzstreitigkeiten zwischen den Herrschaften Nassau-Idstein und Eppstein geprägt. Diese gipfelten im 13. Jahrhundert in einer Fehde, bei der auch die neue Pfarrkirche in Oberjosbach gleich wieder zerstört und erst 1321 ein Nachfolgerbau geweiht wurde. Die Fehde wurde im Sühnevertrag von 1283 geschlichtet, in dem die Gebietszugehörigkeiten neu geregelt wurden. Allerdings festigte sich die bis dahin eher fließende Grenze zwischen den beiden Häusern erst um 1500. Die kleine Siedlung Obernhausen, Pendant von Niedernhausen und im Grenzbereich gelegen, fiel diesem Prozess wahrscheinlich zum Opfer. 1544 existierte der Ort jedenfalls nicht mehr.
  
Die Reformation führte zu einer weiteren Trennung zwischen den Orten im Seelbacher Grund und Oberjosbach. Letzteres wurde, nachdem es von 1540 bis 1604 protestantisch war, bedingt durch die seit 1581 bestehende Zugehörigkeit zu Kurmainz wieder katholisch. Die Angehörigen des Kirchspiels Niederseelbach wurden dagegen - entsprechend dem Glaubensbekenntnis der Grafen von Nassau-Idstein - ab 1581 lutherisch.
  
Diese Konstellation blieb auch bis zum Ende des Dreißigjährigen Krieges bestehen. Der Krieg hatte die Dörfer stark mitgenommen: Niedernhausen, Königshofen und Engenhahn waren fast vollständig entvölkert, in Oberseelbach überlebten gerade einmal 14 Einwohner.
  
Nach dem Westfälischen Frieden siedelte Graf Johannes von Nassau-Idstein in den verwüsteten Orten der Grafschaft, darunter Niedernhausen, Königshofen und Engenhahn Wallonen aus dem Fürstbistum Lüttich an. Diesen gestattete er zwar, ihrem katholischen Glauben treu zu bleiben, unterstellte sie aber dennoch dem lutherischen Pfarrer von Niederseelbach. Noch heute finden sich einige Wallonische Familiennamen in Niedernhausen.
  
Der Mainzer Kurfürst und Erzbischof Anselm Franz von Ingelheim ersetzte 1680 die Oberjosbacher Kapelle durch eine Kirche im Renaissance-Stil.
  
1723 wurde die Grenze zwischen Idstein und Eppstein "versteint", das heißt Grenzsteine gesetzt, die auf einer Seite den nassauischen Löwen und auf der anderen das Mainzer Rad zeigten. Diese Steine sind heute noch zwischen Niedernhausen und Oberjosbach zu sehen. 1728 errichtete der Kurfürst Erzbischof Lothar Franz von Schönborn erneut die Pfarrei in Oberjosbach, in der auch die Katholiken des Seelbacher Grundes ungeachtet der Grenze eine neue Heimat fanden. Die Schule in Niederseelbach wurde 1778 erstmals erwähnt. Sie wurde von den Kindern der umliegenden Dörfer besucht.
 
Herzogtum Nassau, Eisenbahnbau und Luftkurort (1806–1914)
  
1806 wurde das Herzogtum Nassau gegründet. Dadurch verlor die seit dem Mittelalter bestehende Grenze zwischen Oberjosbach und Niedernhausen ihre Bedeutung.
 
1859 gründete Oberseelbach zusammen mit den heute zu Idstein gehörenden benachbarten Orten Dasbach und Lenzhahn einen Schulverband, 1863 wurde das neue Schulgebäude eröffnet.
 
Der große Aufschwung kam mit dem Bau der Eisenbahn 1877. Die Main-Lahn-Bahn verband fortan das Rhein-Main-Gebiet mit Limburg an der Lahn. Als 1879 die Querverbindung nach Wiesbaden eröffnet wurde, wurde Niedernhausen gar zum Eisenbahnknotenpunkt. Ein erstes Bahnhofsgebäude entstand 1880, 1906 wurde ein neues repräsentatives Gebäude errichtet, Gleis- und Abfertigungsanlagen für die Dampflokomotiven entstanden. Ein alter Lokschuppen sowie ein zugehöriger Wasserturm sind heute noch erhalten 1913 wurde das 2. Gleis der Strecke gebaut. 1903 erhielt auch Niederseelbach einen eigenen Haltepunkt, der jedoch 1971 wieder geschlossen wurde.
 
Die bisher über Jahrhunderte auf die Landwirtschaft und Waldarbeit ausgerichtete Bevölkerung hatte nun die Möglichkeit, industrieller und handwerklicher Tätigkeit in den nun leicht zu erreichenden Städten nachzukommen. Davon profitierten nicht nur Niedernhausen und Niederseelbach, sondern auch die Dörfer in der nahen Umgebung. Durch die leichte Erreichbarkeit konnte Niedernhausen nun sogar zum Luftkurort aufsteigen, die Kurgäste konnten bequem mit der Bahn anreisen. Zahlreiche alte Hotel-Villen der Gründerzeit im ehemaligen Kurviertel an der "Schönen Aussicht" belegen diese Zeit. Zudem ist heute noch die alte Jugendherberge an der Frankfurter Straße zu finden. Das inoffizielle Kurhaus war die ehemalige Pulvermühle im Theißtal an der Grenze zwischen Königshofen und Niedernhausen. Um die Jahrhundertwende stieg die Einwohnerzahl von Niedernhausen dann auf ca. 1.200.
 
Weimarer Republik, Drittes Reich und 2. Weltkrieg (1918–1945)
  
Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das linke Rheinufer sowie die drei Brückenköpfe Köln, Koblenz und Mainz jeweils im Umkreis von 30 km von den Alliierten besetzt. Niedernhausen und seine heutigen Ortsteile fielen dabei unter französische Besatzung, zeitweise waren mehrere 100 Soldaten anwesend. Ab September 1919 wurden die Truppen von den kleineren Orten wieder abgezogen. Am 8. November 1919 fand die erste Gemeindevertreterwahl statt, bei welcher auch Frauen zum ersten Mal wählen durften.
  
Auch nach dem Ersten Weltkrieg kamen viele Kurgäste und Sommerfrischler nach Niedernhausen, darunter auch viele Juden. Vielleicht sind dieser Umstand und auch die Jahrhunderte zurückliegende Ansiedlung der Wallonen in Niedernhausen ein Grund dafür, dass der Umgang mit fremden Kulturen von Normalität geprägt war. Aus der Zeit des Dritten Reiches gibt es jedenfalls keine Überlieferung nennenswerter politischer Aktionen. Es gab allerdings eine so genannte "Führer-Schule", die als Ausbildungszentrum für die Hitler-Jugend diente.
  
Wie in vielen deutschen Städten gab es auch in Niedernhausen Umbenennungen von Straßen und Gebäuden: es gab einen Hindenburgplatz und ein Teil der Niederseelbacher Straße in Königshofen und die Austraße in Niedernhausen hießen jeweils Adolf-Hitler-Straße. Die Lehrer der Schulen schienen Berichten von Schülern zufolge recht linientreu gewesen zu sein und stachelten ihre Schüler zur Sammlung von Hilfsgütern an. Hier wird aber auch von vereinzelten regimekritischen Stimmen berichtet. So bestellte beispielsweise eine Angestellte der "Führer-Schule" kurzerhand das Abonnement des Propagandablatts "Der Stürmer" ab, obwohl sie dabei mit Konsequenzen rechnen musste. Als der Bürgermeister kurz vor Kriegsende die Räumung des Ortes befahl, wurde er von der Bevölkerung ausgelacht.
  
Mit dem Bau der Autobahn 1937 bis 1939 gab es einen weiteren Aufschwung, da Niedernhausen auch eine eigenen Auffahrt erhielt, die von der steigenden Zahl der Autos genutzt werden konnte. Der Bau der Theißtalbrücke, der noch vor Beginn des Zweiten Weltkriegs abgeschlossen wurde, beschäftigte zeitweise bis zu 700 Arbeiter, welche in Niedernhausen untergebracht waren und versorgt werden mussten.
  
Nachdem Niedernhausen Anfang des Zweiten Weltkrieges verschont blieb, änderte sich dies mit dem Vormarsch der Alliierten ab 1944. Aufgrund seiner Bedeutung als Eisenbahnknotenpunkt und wegen der ansässigen Führerschule mit ihren Funkanlagen, wurde der Ort deutlich stärker bombardiert als vergleichbare Orte in der Umgebung. Zwischen Mai 1944 und März 1945 gab es mindestens 8 Luftangriffe. Beim schwersten am 22.02.1945 wurden das Bahnhofsgebäude, große Teile der Gleisanlagen sowie ca. 30 abgestellte Lokomotiven und Dutzende von Waggons zerstört. Getroffen wurden bei den Angriffen aber nicht nur die Bahnanlagen, sondern auch mehrere Wohngebäude in Niedernhausen und Königshofen. Im Juli 1944 wurde ein von Eppstein kommenden Zug bombardiert; die Zahl der Toten wurde auf 30 bis 40 geschätzt. In der Nacht vom 25. auf den 26. August 1944 brannte die Pfarrkirche von Oberjosbach durch eine Brandbombe bis auf die Grundmauern nieder. Insgesamt kamen bei den Angriffen ca. 200 Menschen ums Leben. Auch heute noch finden sich in den Wäldern um Niedernhausen viele Bombentrichter. Bei einem der Angriffe im August 1944 wurden drei mit ihrem Fallschirm abgesprungene amerikanische Soldaten von der Bevölkerung gelyncht.
  
Als im März 1945 die Amerikaner über Engenhahn und Niederseelbach nach Königshofen und Niedernhausen kamen, gab es keinen Widerstand. Wohl deshalb und aufgrund des schnellen Vordringens der GI’s konnte eine Sprengung der Theißtalbrücke verhindert werden.
  
Nachkriegszeit (1945-1975)
  
Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen wie überall in Westdeutschland zahlreiche Flüchtlinge und Heimatvertriebene aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten und aus dem Sudetenland in die einzelnen Ortsteile, vor allem nach Oberjosbach, Niedernhausen, Königshofen und Niederseelbach. Dadurch vergrößerte Niederseelbach beispielsweise seine Einwohnerzahl bis 1960 gegenüber dem Jahr 1939 um das Doppelte. In den 1950er Jahren wurden folgerichtig die ersten Neubaugebiete ausgewiesen.
  
Die wieder aufgebaute Pfarrkirche in Oberjosbach wurde bereits 1949 eröffnet.
In Engenhahn entstand aus dem Wildparkgelände zunächst ein Gebiet für Wochenendhäuser. Ab 1975 wurde es ein offizielles und exklusives Baugebiet, in dem Prominente wie Wim Thoelke, Ebby Thust und Susanne Fröhlich wohnen bzw. wohnten.
  
1964 nahm Oberseelbach erstmals am Wettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden" teil, 1965 wurde gar der Landessieg für Hessen errungen.
  
Als Ende der 1960er Jahre der Bau der S-Bahn Rhein-Main geplant wurde und absehbar war, dass Niedernhausen einer der Endstationen werden sollte, erlebte der Ort ein starkes Bevölkerungswachstum. Das große Baugebiet Lenzhahner Weg entstand; in den 1970er Jahren wurden hier auch vier Wohnhochhäuser sowie ein Dutzend größere Wohnblöcke gebaut. Die erste S-Bahn der Linie 2 erreichte den Niedernhausener Bahnhof am 25. August 1975.
1970 wurde die Ortsumgehung von Oberseelbach eröffnet, die die enge Hauptstraße des Ortes vom Durchgangsverkehr befreite.

Grenzänderungen und Gebietsreform (1971 bis heute)
  
Zum 1. Oktober 1971 unterzeichneten die Gemeinden Niedernhausen und Königshofen - trotz der seit alters her gegeneinander bestehenden Abneigungen – einen Grenzänderungsvertrag und schlossen sich zur Gemeinde Niedernhausen im Taunus zusammen. Königshofen behielt dabei seine Ortsteilbezeichnung.
  
Im Zuge der hessischen Gebietsreform wurde schließlich am 1. Januar 1977 aus den bisher selbständigen Gemeinden Niedernhausen mit dem Ortsteil Königshofen, Engenhahn, Niederseelbach, Oberseelbach und Oberjosbach die Gemeinde Niedernhausen i. Ts. Gleichzeitig wurde die Gemeinde Teil des mit selbem Datum neu gegründeten Rheingau-Taunus-Kreis mit der Kreisstadt Bad Schwalbach. Zuvor gehörte Niedernhausen zum Main-Taunus-Kreis.
  
Zuvor hatte es zwischen Idstein und Niedernhausen ein starkes Werben um die Gemeinden im Seelbacher Grund gegeben. Dabei gab es auch die Überlegung, eine selbständige Gemeinde Lenzenberg mit Engenhahn, Ober- und Niederseelbach sowie Lenzhahn und Dasbach zu bilden. Schließlich entschieden sich Engenhahn, Ober- und Niederseelbach für Niedernhausen, Dasbach und Lenzhahn, trotz ihrer Jahrhunderte dauernder Verbundenheit zu Ober- und Niederseelbach, für Idstein.
  
Anfang der 1980er Jahre wurde das alte Schulgebäude und Rathaus in Niedernhausen zum neuen Rathaus der Gesamtgemeinde erweitert, sowie die Autalhalle errichtet.
Ab 1985 wurde ein weiteres großes Baugebiet auf dem Schäfersberg beim Ortsteil Niedernhausen ausgewiesen.
  
Heute leben in Niedernhausen über die Hälfte der Gesamt-Einwohner. Zweitgrößter Ortsteil ist Oberjosbach mit 2.150, kleinster Oberseelbach mit 450. Die Ortsteile Oberjosbach, Oberseelbach, Niederseelbach und Engenhahn haben dabei ihren dörflichen Charakter weitgehend bewahren können.
  
Einwohnerentwicklung seit Gründung der Gesamtgemeinde 1977
  
Niedernhausen hat seit der Gründung der Gesamtgemeinde zum 1. Januar 1977 einen starken Bevölkerungsanstieg zu verzeichnen. Die Einwohnerzahl stieg von 12.055 bei der Volkszählung im Mai 1987 auf 14.722 im Juni 2003. Dies bedeutete einen Bevölkerungsanstieg von über 22 % (Kreisdurchschnitt ca. 11 %). Ursachen sind vor allem die verkehrsgünstige Lage und gleichzeitige Nähe zur Natur sowie und die damit verbundene fortschreitende Bebauung des Neubaugebietes Schäfersberg in dieser Zeit. In den letzten Jahren stagniert der Anstieg jedoch, was vor allem daran liegt, dass in den großen Neubaugebieten Lenzhahner Weg und Schäfersberg kaum noch freie Baugrundstücke vorhanden sind und bisher keine neuen Siedlungsflächen ausgewiesen wurden.
  
Einwohnerentwicklung seit 1977
Jahr Einwohner
01.01.1977 10.952
30.06.1985 12.220
31.05.1987 12.055
31.12.1994 14.231
30.06.2003 14.722
31.12.2004 14.648
30.06.2005 14.664
 
Politik und Verwaltung
 
Bürgermeister der Gemeinde und damit gleichzeitig oberster Chef der Verwaltung ist seit dem Jahre 1989 Günter F. Döring (SPD). Er war gleichzeitig im Jahre 1995 der erste direkt gewählte Bürgermeister in Niedernhausen und wurde im Jahre 2001 wiedergewählt.
Die letzte Bürgermeister-Direktwahl fand am 5. März 2007 statt. Bei einer Wahlbeteiligung von 55% erhielt der amtierende und letztmals kandidierende Bürgermeister Döring 49,55% der Stimmen. Auf seinen Mitbewerber Andreas Knüttel (CDU) entfielen 27,44% der Stimmen, die parteilose Kandidatin Isolde Ehrhart als Ex-CDU-Mitglied und Gattin des ehemaligen Bürgermeisters und Döring-Vorgängers Klaus Ehrhart erhielt einen Stimmanteil von 23,01%. Hiermit wurde eine Stichwahl zwischen dem amtierenden Bürgermeister und dem CDU-Kandidaten Knüttel notwendig, die am 25. März 2007 stattfand und aus welcher Döring mit einem Stimmanteil von 59,6% als Sieger hervorging. Andreas Knüttel erhielt 40,3% der Stimmen.
 
Die Gemeindevertretung als oberstes politisches Gremium von Niedernhausen wird alle fünf Jahre von den wahlberechtigten Bürgerinnen und Bürgern gewählt. Sie hat insgesamt 37 Sitze. Die letzte Kommunalwahl am 26. März 2006 ergab folgende Sitzverteilung: CDU: 15 Sitze, SPD: 10 Sitze, Bündnis 90/Die Grünen: 4 Sitze, FDP: 2 Sitze, Wählergemeinschaft Niedernhausen (WGN): 6 Sitze. Die nächste Kommunalwahl findet im Jahr 2011 statt.
Die Gemeindevertretung wählt den Gemeindevorstand. Dieser hat 9 Mitglieder (CDU: 3 Mitglieder, SPD: 2 Mitglieder, Bündnis 90/Die Grünen: 2 Mitglieder). Zu den Mitgliedern zählen auch der Bürgermeister sowie der Erste Beigeordnete (Gerd Paustian, WGN).
Die Gemeindevertretung wird durch vier Ausschüsse unterstützt, in denen Themen vorbereitet werden, damit sie der Gemeindevertretung zur Abstimmung vorgelegt werden können. Die vier Ausschüsse sind: der Bauausschuss, der Umweltausschuss, der Sozialausschuss sowie der Haupt- und Finanzausschuss. Die Ausschüsse haben jeweils 7 Mitglieder (CDU: 3, SPD: 2, WGN: 1, Grüne: 1).
 
Die Belange der sechs Ortsteile werden von dort eingesetzten Ortsbeiräten gewahrt. Sie haben in der Gemeindevertretung beratende Funktion und setzen sich politisch nach den Ortsteilergebnissen der Kommunalwahl zusammen. Die politischen Gremien tagen im Rathaus der Gemeinde im Ortsteil Niedernhausen.
 
Verwaltung
 
Die Gemeindeverwaltung ist größtenteils im Rathaus unterbracht. Hier finden die Bürgerinnen und Bürger das Bauamt, das Ordnungsamt, das Einwohner- und Meldeamt, das Standesamt, das Ortsgericht sowie Ansprechpartner für Umwelt-, Familien-, Entsorgungs- und sonstige Belange. Im Rathaus gibt es ca. 50 Verwaltungsangestellte. Darüber hinaus betreibt die Gemeinde einen eigenen Bauhof. Hier sorgen etwa 20 Mitarbeiter für den Winterdienst, die Straßenreinigung, die Pflege von Friedhöfen, Sportplätzen, Kinderspielplätzen und Grünanlagen sowie die Reparatur und Instandhaltung von gemeindeeigenen Einrichtungen und Gebäuden. Die Wasserver- und -entsorgung wird von den dem Bauhof angegliederten Gemeindebetrieben sichergestellt. Außerdem gibt es einen Recyclinghof. In den sechs Gemeinde-Kindergärten sind rund 35 Erzieherinnen beschäftigt. Für Verkehrs- und Umweltdelikte ist das Ordnungsamt zuständig, für alle weiteren Sicherheitsfragen die Polizei-Station in Idstein. Eine eigene Polizei-Repräsentanz wird jedoch seit längerem gefordert.
 
Wirtschaft
 
Niedernhausen gilt im Allgemeinen als Schlafstadt, d. h. die Gemeinde dient vorwiegend Pendlern als Wohnsitz , die die Großstädte des Rhein-Main-Gebietes zum Ziel haben. Mit ca. 30 % hat dabei Wiesbaden den größten Anteil, dicht gefolgt von Frankfurt am Main. Die Zahl der Arbeitsplätze stieg mit der Zahl der Einwohner, hat aber aufgrund der Pendlerstruktur nach wie vor einen relativ geringen Anteil von ca. 10 % der Bevölkerungszahl. Im Juni 1987 waren 1.192 Menschen in Niedernhausen beschäftigt, bis Juni 2002 stieg die Zahl um ca. 21 % auf 1.443. Der Dienstleistungsanteil lag 1987 bei 65 %, 2002 bei 71 %. Die Kaufkraft liegt bei 21.346 Euro pro Einwohner und damit ca. 28,5 % über dem Bundesdurchschnitt. Sie ist damit auch die höchste im Rheingau-Taunus-Kreis.
 
Niedernhausen beherbergt vor allem kleine und mittlere Betriebe, überwiegend auf dem Dienstleistungssektor. Mittlerweile existieren über 30 High-Tech-Firmen, darunter ca. 20 in der IT-Branche sowie sieben Firmen in der Mess- und Regeltechnik. Der größte Arbeitgeber der Gemeinde mit 220 Beschäftigten ist die Hartmann Druckfarben GmbH in Niederseelbach, die seit 1968 hier angesiedelt ist. Ein weiterer großer Arbeitgeber, das RAMADA Hotel Micador ist ein Tagungs- und Kongresshotel mit 254 Zimmern und dem angeschlossenen Rhein-Main-Theater. Seit 1976 war in der Schönen Aussicht der größte Verlag für deutschsprachige Ratgeber, die FALKEN-Verlagsgruppe, ansässig. Sie erwirtschaftete mit 120 Mitarbeitern und ca. 1.200 lieferbaren Büchern einen Umsatz von ca. 45 Mio. Euro. Im Jahr 2000 wurde der Verlag allerdings vom Bertelsmann-Konzern übernommen und das Haus geschlossen.
 
Insgesamt gibt es vier Gewerbegebiete: jeweils ein kleineres in Königshofen, Ober- und Niederseelbach sowie ein etwas größeres in Niedernhausen in der Nähe der Autobahnauffahrt. Hier ist die weitere Ausweisung eines Misch- und Gewerbegebietes von ca. 5 ha Größe geplant.
Verkehr
 
Der Bahnhof Niedernhausen befindet sich an der Main-Lahn-Bahn, die von Frankfurt am Main nach Limburg an der Lahn führt. Die Strecke wurde bereits im Jahre 1877 eröffnet, der Bahnhof ist der Hauptknotenpunkt dieser Strecke zwischen Frankfurt-Höchst und Eschhofen, da hier die Ländchesbahn zum Hauptbahnhof der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden abzweigt. Aufgrund seiner überregionalen Bedeutung war der Bahnhof von Niedernhausen im 2. Weltkrieg Ziel mehrerer Luftangriffe.

Seit dem Jahre 1975 ist Niedernhausen zudem Endhaltepunkt der S-Bahn-Linie 2, welche die Gemeinde mit einer Fahrzeit von ca. 35 Minuten mit dem Frankfurter Hauptbahnhof verbindet. Durch die Gemarkung verläuft außerdem die Schnellfahrstrecke Köln-Rhein/Main mit dem Niedernhausener Tunnel.
 
Neben den Zugverbindungen nach Frankfurt am Main, Wiesbaden und Limburg an der Lahn besteht eine Stadtbusverbindung nach Wiesbaden (Linie 22 der Stadtwerke Wiesbaden), der die Ortsteile Oberjosbach, Niedernhausen und Königshofen in einer Fahrzeit von ca. 30 Minuten mit der Landeshauptstadt verbindet. Zudem gibt es einen innerörtlichen Busverkehr, der alle Ortsteile mit der Hauptgemeinde und dem Bahnhof verbindet. Überregionale Buslinien fahren ebenfalls den Bahnhof in Niedernhausen an.
 
Ausgewiesene Fußgängerzonen gibt es in Niedernhausen nicht. Allerdings ist die Hauptgeschäftsstraße, die Bahnhofsstraße eine verkehrsberuhigte Einbahnstraße, die für diverse Veranstaltungen (Weinfest, Weihnachtsmarkt, etc.) komplett für den Verkehr gesperrt wird. In den die Gemeinde umgebenden Taunuswäldern gibt es ein dichtes Netz ausgeschilderter Wanderwege.
 
Am S-Bahn-Bahnhof Niedernhausen ist eine Park&Ride-Anlage vorhanden. Ebenfalls eine ausreichende Anzahl an Parkplätzen bieten das Niedernhausener Waldschwimmbad und das Rhein-Main-Theater. Im Ortskern sind zudem weitere Parkplätze vorhanden.
Niedernhausen besitzt eine Anschlussstelle der Bundesautobahn 3 Frankfurt am Main - Köln, die sich ca. 2 km südlich des Ortskerns befindet. An der Anschlussstelle vorbei und durch das Gemeindegebiet verläuft die B 455.
 
Der Flughafen Frankfurt ist über die Autobahn in ca. 20 Minuten zu erreichen. Mit dem Zug dauert es - mit Umstieg in Frankfurt Hauptbahnhof oder Wiesbaden Hauptbahnhof - ca. eine Stunde. Aufgrund dieser kurzen Anfahrtszeit zum Flughafen ist Niedernhausen auch für dessen Beschäftigte als Wohnsitz sehr beliebt.
 
Schulen
 
In Niedernhausen gibt es zwei öffentliche Schulen. Die Theißtalschule im Ortsteil Niedernhausen wurde Ende der 90er Jahre von einer Grundschule mit Förderstufe in eine Kooperative Gesamtschule mit Grundstufe sowie Gymnasial-, Realschul- und Hauptschulzweig ausgebaut. Die Lenzenbergschule im Ortsteil Niederseelbach ist eine sogenannte Mittelpunkts-Grundschule für die Ortsteile Engenhahn, Niederseelbach und Oberseelbach. Im Ortsteil Königshofen gibt es zudem ein Privatgymnasium sowie eine Musikschule.
 
Sport- und Freizeiteinrichtungen
 
In Niedernhausen gibt es mehrere Fußballplätze, darunter zwei Hartplätze in Engenhahn und Niederseelbach sowie einen Kunstrasenplatz in Niedernhausen. Daneben gibt es drei kleinere Sportplätze in Niedernhausen, Königshofen und Oberjosbach sowie eine der Theißtalschule angegliederte Leichtathletik-Anlage. Die große Drei-Felder-Sporthalle Autalhalle wird nicht nur von den örtlichen Vereinen genutzt, sondern auch für Messen und sonstige Veranstaltungen. Die Schulen und größeren Sportvereine haben jeweils noch eigene Hallen. Weiterhin gibt es einen Tennisverein, der mehrere Plätze und eine Halle bespielt, einen Reitplatz, mehrere Kegelbahnen sowie das beliebte Waldschwimmbad mit mehreren Becken, Rutsche und Sprungturm. Unmittelbar neben dem Waldschwimmbad wurde im Juli 2006 ein Skateplatz eröffnet. Das Naherholungsgebiet Theißtal bietet neben einem von mehreren Grillplätzen einen großen Anglerteich. Im Ortsteil Engenhahn werden in strengen Wintern Langlauf-Loipen gespurt.
 
Kindergärten, Kinderkrippe, Schülerhort und Gemeinschaftshäuser
 
Insgesamt sechs gemeindeeigene Kindergärten existieren in den Ortsteilen Niedernhausen (Ahornstraße und Schäfersberg), Königshofen, Niederseelbach, Oberjosbach und Engenhahn. Daneben betreibt die Katholische Kirche den Kindergarten St. Josef. Ein privater Elternverein betreibt einen rhythmisch-musischen Kindergarten TASIMU mit Kleinkinderkrippe und Schülerhort. Neben der großen Drei-Felder-Sporthalle mit Gastronomie (Autalhalle) existieren in jedem der anderen fünf Ortsteile Gemeinschaftshäuser für Veranstaltungen.
 
Sehenswürdigkeiten
 
Wahrzeichen: Theißtalbrücke
Wahrzeichen der Gemeinde ist die 1937 bis 1939 errichtete Theißtalbrücke (Teil der Bundesautobahn A 3), die mit 16 Bögen über eine Länge von 500 m und einer maximalen Höhe von 46 m das enge Theißtal überspannt. Parallel zu ihr entstand in den 1990er Jahren eine Brücke der ICE-Neubaustrecke Köln-Rhein/Main mit ähnlichen Abmessungen. Das Motiv der Bögen der Theißtalbrücke wird von der Gemeindeverwaltung und einigen Vereinen als Symbol verwendet.
 
Evangelische Johanneskirche
Die Johanneskirche in Niederseelbach war seit dem Mittelalter religiöser und geistiger Mittelpunkt des Seelbacher Grundes. Sie ist das wertvollste historische Bauwerk in der Gesamtgemeinde Niedernhausen. Wann das Gebäude erbaut wurde, ist unbekannt, jedoch muss es bei Gründung der Pfarrei um 1220 durch die Grafen von Nassau einen Vorgängerbau gegeben haben. Die Tatsache, dass die Kirche etwas abseits des Dorfkerns von Niederseelbach liegt, könnte auf eine Entstehung als Feldkirche hindeuten, wie sie in karolingischer Zeit um 800 üblich war. Das Gotteshaus ist ein schlichtes Gebäude mit einem einschiffigen, flach gedeckten Kirchenraum und einem Chor. An der Nordseite ist der Turm angegliedert, der ein unterirdisches Gewölbe besitzt. Einige Auskragungen an den Wänden sowie der Chor weisen auf das ehemalige gotische Spitzbogengewölbe hin. Das Kirchenschiff dürfte damit aus dem 15. Jahrhundert stammen. Der Turm erhielt seine Welsche Haube 1790.
 
Katholische Kirchen
Die Kirche St. Michael in Oberjosbach geht auf die Gründung der Pfarrei Oberjosbach im Jahre 1196 zurück. Die Kirche wurde jedoch mehrmals zerstört und 1321, 1728 und schließlich 1949 wieder aufgebaut.
Die Kirche St. Martha in Engenhahn wurde 1890/1891 in neugotischem Stil errichtet, nachdem die katholischen Einwohner 1888 von der Pfarrei Oberjosbach losgetrennt und derjenigen Idsteins zugeordnet wurden.
Die alte katholische Kirche in Niedernhausen wurde 1885 geweiht, nachdem die Katholiken der aufstrebenden Gemeinde den weiten Weg nach Oberjosbach nicht mehr zurücklegen wollten. Nach dem so genannten Kapellenstreit um die finanzielle Beteiligung Königshofens an der Kirche, wurde schließlich am 1. Oktober 1904 die Gemeinde Mariä Geburt gegründet, welche der Bischof von Limburg an der Lahn am 1. Mai 1921 zur Pfarrei erhob. Nach dem Bau der neuen Kirche in der Bahnhofstraße 1960 dient der Bau heute als Kulturzentrum. Die Kirchengemeinde nennt sich seit dem Umzug in den Neubau der Kirche Maria Königin.
Historische Rathäuser und Schulgebäude
Historische Rathäuser gibt es in den Ortsteilen Oberjosbach und Engenhahn. Das Rathaus von Engenhahn wurde um 1768 errichtet, diente ab 1820 als Schule und beherbergte später bis 1977 die Gemeindeverwaltung. Das Gebäude ist ebenso wie das Alte Backhaus ("Backes") in Oberseelbach ein denkmalgeschütztes Fachwerkhaus.
Das Rathaus in Niedernhausen, das heute der Gemeindevertretung als Sitz dient, war ursprünglich ein 1903 erbautes Schulgebäude, in dem auch die Bürgermeisterei untergebracht war. 1981 wurde es zu einem repräsentativen Gebäude erweitert und ist heute ein weiteres Wahrzeichen der Gemeinde.
 
Natur
Der größtenteils bewaldete Naturpark Rhein-Taunus liegt auf dem Gemeindegebiet und grenzt zum Teil unmittelbar an die Wohnbebauung. Landschaftlich besonders reizvoll ist der Höhenzug zwischen der Linie Niederseelbach - Engenhahn und dem parallel verlaufenden Naherholungs- und Naturschutzgebiet Theißtal. Höchste Erhebung ist hier die Hohe Kanzel mit 592 m ü NN. Von West nach Ost zieht sich durch das Gemeindegebiet ein Tal, an dessen Hängen sich die Niedernhausener Wohnbebauung ausdehnt. In Oberjosbach findet sich eine 500jährige Eiche, nördlich von Niedernhausen, auf dem Eselskopf gibt es einige bizarre Felsformationen mitten im Wald ("Hohler Stein").
 
 
 
 


Eingetragen von H.Stoll | Aufrufe: 1206
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